You are currently browsing the tag archive for the ‘Diplomarbeit’ tag.

Wie bereits angekündigt ist meine Diplomarbeit nun online verfügbar, und zwar im Volltext als PDF – Download. Der Download steht am Hochschulschriftenserver „E-Thesis“ der Universität Wien bereit: http://othes.univie.ac.at/7971/

EDIT 04/2010: Die Diplomarbeit ist mittlerweile auch als Buch käuflich zu erwerben: ISBN 978-3-640-57521-3 / Amazon – Link.

Man hat irgendwie schon lange das Gefühl, dass die erbitterten Schlachten, die die Contentindustrie gegen sogenannte „Piraten“ oder „Raubkopierer“ führt, einerseits maßlos übertrieben, und andererseits über kurz oder lang sowieso zum scheitern verurteilt sind. Im Zuge dessen tauchen Fragen auf wie „hat das geistige Eigentum eigentlich heute noch seine Berechtigung?“ und „wie sollen die Produzenten von Kulturgütern eigentlich für ihre Leistungen vergütet werden, wenn ihre Produkte ungehindert und frei im Internet zirkulieren?“ Was nun genau hinter dieser Problematik steckt, lässt sich gar nicht so einfach niederbrechen. Ich habe – wie ich in diesem Eintrag erkläre – einen medienhistorischen Zugang gewählt, um das Problem näher zu beleuchten. Wie und warum das funktionieren soll? Weiterlesen!

Geschichte wiederholt sich, bzw. ist ein zirkulärer Prozess. Diese Aussage sollte man zwar nicht allzu wörtlich nehmen, aber sie hat genau dann ihre volle Berechtigung, wenn man damit bestimmte Muster und Strukturen bezeichnet, die sich unter gewissen Umständen – wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen – wiederholen. Dazu nun ein Beispiel.

Im 15. Jahrhundert wurde nicht nur der Buchdruck erfunden, sondern es etablierte sich gemeinsam damit auch die dezentrale Distributionsstruktur des freien Marktes. Kirchlichen und weltlichen Machthabenden wurde dadurch nachhaltig die hegemoniale Kontrolle über Wisensverwaltung und -distribution Entzogen – restriktive Gegenmaßnahmen wie Zensur und Approbation konnten dies von Anfang an nicht verhindern, doch waren sie etwa 3 Jahrhunderte lang die Einzigen Mittel, welche die Kontrollinstanzen der dezentralen Unterwanderung durch einen unüberschaubaren Informationsmarkt entgegenzusetzen hatten. Erst die Entstehung des geistigen Eigentums im 18. Jahrhundert konnte eine der medialen Situation angepasste Regulierung von Informationsdistribution gewährleisten – freilich hatten sich Kultur und Gesellschaft in der Zwischenzeit auf allen denkbaren Ebenen stark verändert.

Im 20. Jahrhundert wurde nicht nur die digitale Rechenmaschine erfunden, sondern es etablierte sich gemeinsam damit auch eine dezentrale Struktur zur Distribution von Information, bekannt als Internet. Der Kultur- oder Contentindustrie wurde dadurch nachhaltig die hegemoniale Kontrolle über die Distribution kultureller Güter entzogen – restriktive Gegenmaßnahmen wie Rechtsverschärfungen und Klagewellen/Schauprozesse gegen einzelne „Contentdiebe“ und „-verteiler“ unter Millionen konnten dies von Anfang an nicht verhindern, doch sind sie bis heute die einzigen Mittel, welche die Kontrollinstanzen der dezentralen Unterwanderung durch einen unüberschaubaren Austausch kultureller Güter entgegenzusetzen haben. Eine der medialen Situation angepasste Regulierung, welche sowohl Konsumenten als auch Produzenten kultureller Güter zufriedenstellen würde, wird fieberhaft gesucht. Ebenso fieberhaft gesucht wird eine neue Rolle, welche die ehemaligen Distributoren der nun mehr obsolet gewordenen materiellen Informationsträger (Kultur- oder Contentindustrie) unter den neuen Voraussetzungen ausfüllen sollen.

Die Parallelen stechen ins Auge – in beiden Fällen handelt es sich um den Übergang von einem medialen Paradigma zu einem neuen, womit etablierte Strukturen und kulturelle Gewohnheiten umgestoßen werden und gegen das Neue zunächst angekämpft wird, weil es nicht verstanden wird.
Genau dieser Gedanke war wohl der primäre Grund, warum ich eine medienhistorische Herangehensweise dafür gewählt habe, in meiner Diplomarbeit das Phänomen „geistiges Eigentum“ im Zusammenhang mit dem heutigen digitalen Medienparadigma zu untersuchen. Sie verspricht nämlich, aus einer historischen Perspektive Licht in eine Angelegenheit zu bringen, welche kaum verstehbar ist – einerseits in ihrer Komplexität, andererseits deshalb, weil es sich um einen andauernden, noch lange nicht abgeschlossenen Prozess handelt.

Ein erster Eindruck, wie ich in der Arbeit vorgegangen bin, lässt sich durch folgende, der Arbeit entnommene Zusammenfassung gewinnen. Die gesamte Arbeit wird demnächst u.a. auf dem Hochschulschriftenserver der Universität Wien und in weiterer Folge hier am Blog zu finden sein.
EDIT 02/2010: Zum PDF-Download der Diplomarbeit: http://othes.univie.ac.at/7971/
EDIT 04/2010: Die Diplomarbeit ist mittlerweile auch als Buch käuflich zu erwerben: ISBN 978-3-640-57521-3 / Amazon – Link.

„Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Status des Phänomens „geistiges Eigentum“ in seinen positiven Ausformungen „Urheberrecht“ beziehungsweise „Copyright“ und seiner historischen Entwicklung bis ins angehende 21. Jahrhundert auseinander.

Die Arbeit zeigt, wie das Konzept des geistigen Eigentums mit dem Aufstieg und Fall der Buchkultur in Verbindung steht und geht dabei besonders auf den Status des Autors als Schöpferindividuum ein, wie er in der Zeit um 1800 entstand und seit Ende des 19. Jahrhunderts begann, sich in philosophischen Diskursen wieder aufzulösen.

Die historische Analyse zeigt, wie epistemologische Debatten Autor- und Künstlerkonzepte formten und sich daraus juristische Konzepte zur Regulierung geistiger Eigentumsrechte ergaben.
Dabei wird hauptsächlich eine medienhistorische Perspektive angewandt, d.h. dass zunächst von den historischen Auswirkungen neuer Medientechnologien auf ihre Bedeutung für die beiden aneinander gekoppelten Konstrukte „Autorschaft“ und „geistige Eigentumsrechte“ geschlossen wird.

So wird der historische Unterbau für eine Betrachtung des heutigen Status von geistigem Eigentum hergestellt, wobei die Auswirkungen digitaler Vernetzung auf Autorschaft und kulturelle Produktion ins Zentrum des Interesses rücken. Dabei wird u.a. differenziert, welche Arten kultureller Produktion auf Traditionen der Buchkultur gründen und welche den digitalen Medien entspringen. Dies eröffnet eine Perspektive, die den medialen Paradigmenwechsel, der im 15. Jahrhundert durch die Erfindung des Buchdrucks ausgelöst wurde, mit jenem vergleicht, der von der Entstehung der technischen Medien Ende des 19. Jahrhunderts vorbereitet und durch die globale digitale Vernetzung ins Rollen gebracht wurde.

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die heutigen geistigen Eigentumsrechte in ihren positiven Ausformungen den medialen Rahmenbedingungen nicht mehr entsprechen, da sie auf den Voraussetzungen der Buchkultur gründen, mit einer digital vernetzten Medienumwelt nicht kompatibel und daher langfristig nicht mehr ohne grundlegende Transformationen haltbar sein werden. Die Schwierigkeit, dieses Problem in all seinen Ebenen zu erkennen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen, hängt mit der Beschaffenheit medialer Paradigmenwechsel im Allgemeinen zusammen, was auch am historischen Beispiel des Wechsels zur Buchkultur gezeigt wird: der Übergang zu einem neuen Paradigma kann nur dann vollends verstanden werden, wenn die Gesetzmäßigkeiten des neuen Paradigmas in all ihren Auswirkungen erfasst werden, was zur Zeit des Übergangs kaum möglich ist, da jegliche Beschreibungsversuche zunächst auf Begrifflichkeiten des alten Paradigmas angewiesen sind.“

Quelle: Razocha, Florian: „Geistiges Eigentum von der frühen Neuzeit bis ins Zeitalter der digitalen Information – Eine medienhistorische Betrachtung eines Phänomens.“ Diplomarbeit, Universität Wien 2009.

Alle Artikel

@FlorianRazocha

Flickr Photos

RSS Meine Last.fm – Recent Tracks

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.