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Dies ist, wie angekündigt, die deutsche Version eines Artikels (in erster Linie) über die Digital Bolex Kamera, den ich bereits auf englisch veröffentlicht habe. Die wenigen Teile des Artikels, die nur für Kamera – Geeks gedacht sind, sind zur besseren Übersicht kursiv markiert (sie sind für das Verständnis des Artikels nicht unbedingt nötig!). Anmerkung: einstweilen deutet nichts darauf hin, dass das Gerät bei Marktstart außerhalb der USA erhältlich sein wird. Noch eine Anmerkung: wie man weiter unten merken wird, verwende ich für diesen Artikel absichtlich „Politik“ als einen sehr weit gefassten Begriff, und das mit Absicht.

Digital Bolex D16

Digital Bolex D16

Kürzlich las ich mit großem Interesse folgende Überschrift: The Digital Bolex D16. Raw 2K for less than a cost of a 5Dmk3?“ auf Philip Bloom’s Blog (der Mann ist unter Videokameraleuten wie mir bekannt wie ein bunter Hund und in dieser Szene der wohl einflussreichste Blogger). Meine erste Reaktion war pures Mißtrauen, ich dachte: „da stimmt was nicht. Eine Videokamera die in Raw aufnimmt um so wenig Geld?“ Als ich mir die technischen Spezifikationen dieses Gerätes durchlas, änderte das nichts an diesem Gefühl (die Eckdaten kurz zusammengefaßt: Auflösung 2k auf einem CCD Sensorchip von der Größe eines Super 16mm Frames, 12 bit 4:4:4 Raw Video im Adobe DNG Format (oder TIFF oder JPEG); XLR Inputs für anständigen Ton; Objektive: C-Bajonett als Standard, optional auch andere wie EF verfügbar).
Eine kurze Erklärung für nicht Eingeweihte: Die Digital Bolex ist geplant als kompromißlose digitale Umsetzung der Bolex Super 16mm Filmkamera, die dafür bekannt ist, in Verbindung mit guten Linsen und Leuten, die damit umgehen können, hervorragende Filmbilder zu produzieren. Die angestrebte Videoqualität, die sie ermöglichen soll, soll in etwa auf dem Niveau von viel teureren Geräten wie der RED Scarlet liegen. Also stellte ich mir die Frage: welche Leute kommen auf so eine Idee, und vor allem: wie in aller Welt wollen die das zu einem derartigen Preis (genannt werden zw. 3000 und 3300 US – Dollar) umsetzen ?
Also fing ich an zu recherchieren und stieß auf einige interessante Informationen.

Zunachst mal kann man sich bereits Bilder ansehen, die mit dem Gerät gemacht wurden, da es bereits einen Prototypen gibt, und zwar handelt es sich um den Trailer zum Kurzfilm „One Small Step“:

Hier gibt’s außerdem behind the scenes – Material vom selben Film (dieses ist aber nicht in HD). Diese Bilder sehen in jedem Fall sehr vielversprechend aus!

Weitere Recherchen ergaben viele zusätzliche Infos auf der technischen Seite, zum Beispiel in diesem Artikel von Stu Maschwitz, in dem er einige z.T. gerechtfertigte Zweifel äußert, (einige davon werden in diesem Artikel aufgelöst) und in jenem von Philip Bloom, den ich bereits weiter oben erwähnte. In meinem Artikel werde ich also nicht näher auf die technischen Aspekte eingehen. Das auch, weil ich in der Überschrift angekündigt habe, über die politischen Dimensionen einer Kamera zu sprechen.

Was meine ich also mit „politische Dimensionen?“ An diesem Punkt muß ich etwas abschweifen, da es wichtig ist, einen Vergleich herzustellen.

Ich besitze 2 Canon EOS 550D DSLR – Kameras, welche zur Herstellung recht hochqualitativer Videobilder imstande sind, und das zu einem sehr geringen Kaufpreis (etwa € 500,- pro Stück). Die ganze Sache hat aber einen Haken: es gibt einige Probleme mit derartigen Geräten, was sie zu alles anderem als der perfekten Videokamera macht. Zugegeben, diese Geräte sind in erster Linie dafür entwickelt worden, Fotos zu machen (worin sie auch sehr gut sind), und die Videofunktion ist nur eine Zusatzfunktion. Für manche Leute, um genau zu sein: unabhängige Filmemacher, ist sie aber viel mehr als das, denn die haben schnell herausgefunden, dass diese kleinen DSLR – Dinger hochauflösende, hochqualitative Videobilder mit einer „filmisch“ wirkenden flachen Schärfentiefe und unglaublich hoher Lichtempfindlichkeit produzieren, um nur die wichtigsten Eigenschaften zu nennen. Schnell entstand also die Frage, ob man nicht die Nachteile der EOS – Serie und anderer Video – DSLRs, wie begrenzte Aufnahmezeit, festgelegte Videobitraten und Framerates, kaum brauchbare Meta-Bildinformationen am Display, Probleme beim Fokussieren, keine brauchbaren Einstellmöglichkeiten für Audioaufnahme etc. etc., irgendwie lösen oder umgehen könnte. Die „geekiest Geeks“ unter den indie – Filmemachern verkündeten: „Yes, we can!“ und programmierten eine gehackte Firmware für die EOS – Serie, genannt „Magic Lantern„, die nicht nur die genannten Probleme recht gut in den Griff kriegt, sondern auch eine Fülle an nützlichen Zusatzfunktionen bietet – all das unter der Voraussetzung, dass man bereit ist, eine Software auf seiner Kamera zu installieren, für die zwar keinerlei Garantien übernommen werden, die sich aber dennoch bereits vielfach als verläßlicher Begleiter bewährt hat! Wenn man sich also ansieht, in welche Art von Kamera Magic Lantern meine 550D verwandelt hat, müßte man am freien Markt für Videokameras ein Vielfaches der Summe in die Hand nehmen, die die 550D gekostet hat, um etwas Vergleichbares zu finden.
Darüber hinaus haben wiederum andere Geeks, als die vorher erwähnten, Kamera – Farbprofile entwickelt, welche Usern der Canon EOS – Serie durch eine starke Erhöhung des Dynamikumfanges, bei gleichzeitigen sehr guten Detail- und Farbeigenschaften, vormals ungeahnte Möglichkeiten für die Bildbearbeitung während der Post Production eröffnet. Mein derzeit bevorzugtes Farbprofil ist übrigens der Technicolor Cine Style, aber ich verwende auch andere, wie Marvels Advanced).

Genug des Abschweifens, zurück zum Punkt: Ich habe einen Kamerahersteller (Canon) beschrieben, der Hardware produziert, die zu vielen tollen Dingen fähig ist, aber auf der Software – Seite sehr viel davon nicht implementiert. Weshalb also ist das ein politisches Problem? Weil preiswerte, gute Videokameras für Menschen (insbesondere Künstler) in einer globalisierten digitalen Gesellschaft, die zunehmend von audiovisueller, multimedialer Kommunikation geprägt ist, ein essenzielles Werkzeug sind, um sich auszudrücken. Um das anders zu formulieren: audiovisuellen Produktionsequipment leistbar zu machen ist eine Sache, die es den Menschen leichter macht, wahrgenommen zu werden, was ein wichtiges Grundprinzip für Kommunikation in einer demokratischen Gesellschaft ist. Und das ist das politische daran.

Der freie Markt bietet zwar alle Möglichkeiten für professionelle Videoproduktion, bislang aber nur auf sehr hohem Preisniveau. Gute Beispiele dafür sind die Canon C300, die RED Camera – Serie, oder die Arri Alexa, um nur einige zu nennen.
Kleine, unabhängige Filmemacher sind mit ihren sehr limitierten finanziellen Mitteln und wenigen Ressourcen diejenigen, die hochqualitatives, speziell angepasstes Videoequipment zu sehr günstigen Preisen bereitstellen, denn sie sind (von Herstellerseite her) die einzigen mit genügend Interesse daran, um das auch umzusetzen. Magic Lantern und spezielle Farbprofile sind zur gänze frei verfügbar und basieren auf gutem Willen, zum Teil freiwilliger finanzieller Unterstützung und einer Schar von unabhängigen Filmemachern, die sie testen und dabei helfen, sie (weiter) zu entwickeln.

Elle Schneider und Joe Rubinstein

Elle Schneider und Joe Rubinstein

Die Digital Bolex wird zu einem sehr niedrigen Preis verfügbar sein. Das ist auf eine politische Entscheidung zurückzuführen, welche die Macher dieser Kamera (Joe Rubinstein und Elle Schneider) getroffen haben: da sie selbst Filmemacher sind, wollten sie die Möglichkeit, mit einer solchen Kamera zu arbeiten, möglichst vielen anderen Filmemachern eröffnen, im Wissen, dass eine solche Kamera höchst wahrscheinlich auch deutlich teurer verkauft werden könnte. Diese Idee passt sehr gut zu ihrem Geschäftskonzept, welches zum einen auf Micro Funding basiert (sie haben eine sehr erfolgreiche Kampagne auf der Micro Funding – Plattform „Kickstarter“ gestartet), und zum anderen Crowd Sourcing mit einbezieht (der Input von anderen Filmemachern war und ist für das Projekt von großer Bedeutung). Rubinstein und Schneider erklären diese Dinge (und vieles mehr, unter anderem Technisches!) in einem sehr interessanten Telefoninterview, das Philip Bloom mit ihnen führte.

Um nun auf Canon zurück zu kommen: dieser Konzern hat eine andere, unterschiedliche politische Entscheidung getroffen. Er hat entschieden, den eigenen, hochpreisigen High End – Markt zu schützen, und zwar durch weglassen jeglicher professioneller Video- und auch vieler Foto-Funktionen in ihrer billigen Hardware, obwohl diese ohne weiteres zu sehr viel mehr fähig wäre. Das ist freilich genau die richtige Entscheidung für Canon – alles andere würde keinen Sinn ergeben und die Marktstellung dieses Konzerns gefährden. Keiner der Mitbewerber (die wichtigsten wären hier Nikon, Panasonic oder Sony) würde es anders machen. Es würde einfach nicht den klassischen Regeln des freien, globalen Marktes entsprechen.

All das bedeutet: es ist vom technischen Standpunkt betrachtet kein Problem, zu niedrigen Preisen professionelles Videoequipment anzubieten, und das sogar ohne die riesige Menge an Resourcen, wie sie ein großer Konzern hat – das hat Magic Lantern bewiesen, und das wird auch höchstwahrscheinlich Digital Bolex zeigen. Aus politischer Sicht ist es aber sehr wohl ein Problem.
Dennoch: die politischen Rahmenbedingungen auf diesem Bereich beginnen sich offenbar zu ändern! Das interessante daran ist, dass sie sich nicht durch die Kraft von sehr wenigen großen Entscheidungsträgern ändern, sondern durch die Kraft vieler kleiner. Sollte das wirklich der Fall sein, könnte das den Effekt haben, dass gewisse Großkonzerne gezwungen sind, ihre Preispolitik am Bereich der professionellen Videoausrüstung zu überdenken und anzupassen. Auch in diesem Falle wirken eben die Prinzipien des freien Marktes!
Jedenfalls sollte man bedenken, dass es hier nur um eine kleine, spezielle Gruppe von Leuten geht: die der unabhängigen Filmschaffenden. Man sollte aber auch bedenken, dass technisches UND soziales Hacking sehr wohl auch auf sehr vielen verschiedenen anderen Ebenen funktioniert.

In diesem Sinne: Wir unabhängigen Filmschaffenden scheinen unter Umständen endlich aus den „dark days of video-cinematography“ herauszutreten, und zwar zu unseren eigenen Bedingungen:

Bleibt nur zu sagen: ich wünsche dem Digital Bolex Projekt alles Gute und hoffe, dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden!

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EINLEITUNG: EINE KLEINE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG

Illustration: © Japan Inc Communications

Illustration: © Japan Inc Communications

Die latent aktuelle Urheberrechtsdebatte ist ein Gebilde, das an Krieg erinnert. Zwei Seiten stehen einander gegenüber, jede hat ihre streng abgegrenzte Ideologie und bekämpft die andere mit Mitteln der Propaganda.
Das ist natürlich eine starke Vereinfachung einer komplexen Diskurssituation, die durchaus auch differenzierte, kritische Standpunkte erlaubt. Letztere scheinen aber – mal mehr, mal weniger – ein Underdog-Dasein zu fristen.

Das umso mehr, je aktueller gerade der jüngste Schlag einer der beiden „Seiten“ ist. Jetzt ist gerade ein guter Zeitpunkt, dieses Phänomen zu beobachten, da der bekannte deutsche Musiker und Autor Sven Regener ein sehr schönes Beispiel für so einen „Schlag“ abgeliefert hat. Kurz zusammengefasst: in einer gut fünfminütigen Polemik (Terminologie: „Wutrede“, „Instant-Pamphlet“) in Form eines Radiointerviews auf BR2 rechnet Regener mit großen Internetkonzernen (insbesondere Google/Youtube) ab, da diese von frei angebotenem Content profitieren würden, auf den sie gar keinen Anspruch hätten, und darüber hinaus auch mit den Usern der Internetgeneration, da diese den Künstlern „ins Gesicht pinkeln“ würden, weil sie kein Bewusstsein dafür hätten, dass Urheber Anspruch auf Bezahlung für ihre Leistung hätten. Ein Seitenhieb auf die Piratenpartei geht sich dabei dann auch noch aus.

Das aktuelle Schlachtgetümmel in diesem „Krieg“ stellt sich nun wie folgt dar: in einer Lawine von Zeitungsartikeln, Blogeinträgen und Forendiskussionen werden altbekannte Positionen wiedebesetzt und verteidigt, ohne dass auf beiden Seiten Land gewonnen, oder sich die Fronten aufweichen würden. Ein Artikel in der Online – Ausgabe der Welt fasst ein paar der Standpunkte beider Seiten exemplarisch zusammen, und schließt nach einem Absatz über Regener-Gegenpositionen mit dem bezeichnenden Satz:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Fürsprecher des Urheberrechts kontern.

Der Diskurs passiert hier also in erster Linie auf der Ebene von Angriff und Gegenangriff, Attacke und Konterattacke. Die Diskussion schafft es nicht auf eine Sachebene, da auf beiden Seiten stark emotional aufgeladene Begriffe und Formulierungen verwendet werden, und auch die Berichterstattung darüber, was passiert, fasst dies zumeist nur zusammen und versucht oft erst gar nicht, dahinter zu steigen.

WORÜBER WIRD EIGENTLICH GESPROCHEN?

Einige der zentralen Begriffe dieses Diskurses will ich hier näher betrachten, es sind: „Raubkopierer“, „Internetpiraten“, „Contentmafia“ und „Raubmordkopierer“. Ich habe bewusst jeweils zwei von jeder der beiden „verfeindeten“ Seiten ausgewählt, und zwar die wohl plakativsten und extremsten Beispiele, weil ich etwas verdeutlichen will. Alle vier dienen zur Bezeichnung der jeweiligen Gegenseite, wobei sich der letzte  („Raubmordkopierer“) bereits auf eine Metaebene begibt und in Form einer zynischen Übersteigerung das Verleumdungspotenzial des Begriffes „Raubkopierer“ thematisiert. Gemein ist ihnen jedenfalls, dass sie versuchen, die jeweilige Gegenseite in ein starkes verbrecherisches Licht zu rücken, welches weit über bloße Kavaliersdelikte hinausgeht.

Die Ursprünge der Begriffe „Raubkopierer“ und „Internetpiraten“ sind mit höchster Wahrscheinlichkeiten irgendwo in der Content – Industrie zu verorten, und sind in den Mainstream – Medien bereits stark etabliert. Die Gegenseite konterte mit „Contentmafia“ als Bezeichnung für die Contentindustrie, und „Raubmordkopierer“ als bereits erwähnte zynische Übersteigerung. In ähnlicher Weise wurde übrigens in Form der „Piratenpartei“ der ursprüngliche  „Internetpirat“ affirmativ in seiner Bedeutung umgekehrt.

„Piraterie“, „Raub(mord)“ und „Mafia“, also mehr oder weniger organisierte Kriminalität, sind somit scheinbar wichtige Rahmenstrukturen für den Kampf um geistige Eigentumsrechte geworden.

Handelt es sich um eine bloße emotionale Übersteigerung? Nein, das würde das Problem auf eine Sammlung rhetorischer Mittel verkürzen.
Viel eher sollte man sich um eine Sichtweise bemühen, welche die ideologische Aufladung von Begriffen zu analysieren versucht. So kann man dann auch zur Frage gelangen: Welche Ideologien und Gegenideologien verbergen sich hinter diesen Begriffen? Woher kommen diese Ideologien?

DER BEGRIFF „KOPIEREN“ ALS BEISPIEL

Der Begriff „Raubkopie“ lässt sich äußerst einfach dekonstruieren, so wie es beispielsweise in digital „aufgeklärten“ Kreisen beinahe schon gebetsmühlenartig gemacht wird: „Kopieren ist nicht stehlen“, wird da ständig wiederholt. Klar, es ist etwas anderes, ob etwas von dem Ort weggenommen wird, an dem der eigentliche Besitzer Zugriff darauf hatte (stehlen), oder ob etwas bloß kopiert wird, also am Ursprungsort verbleibt (kopieren).

Aber: wo führt diese Erkenntnis hin? Für sich alleine lässt sie keine praktischen Rückschlüsse zu, denn wenn kopieren nicht stehlen ist, sollte es ja kein Problem sein, dass jeder denkbare Content frei im Internet verfügbar ist. Ist es aber offensichtlich doch.

Also: Was IST kopieren eigentlich? Regener hat noch nicht einmal verstanden, was es nicht ist. Er zieht im oben genannten Interview in Bezug auf das Problem des Nicht-Bezahlens von Musik im Internet folgenden Vergleich: „[Es ist] eine Frage des Respekts und Anstands […], nichts im Supermarkt zu klauen, selbst wenn man weiß, dass man nicht erwischt wird.“ und begibt sich damit auf jene Argumentationsebene, welche die Contentindustrie schon seit Jahren nicht transzendieren zu können scheint. Aber warum hat er das nicht verstanden? Womöglich hört er viel zu oft, dass er nichts verstehe, weil er zum alten Eisen gehöre, und das ganze wird dann mit emotional aufgeladenen Wendungen und ideologisch belasteten Begriffen ausgeschmückt. Wer würde sich da nicht gleich instinktiv dazu verleitet fühlen, in den Gegenangriff überzugehen?

Wenn die Diskussion etwas mehr in die Tiefe gehen würde, könnte das ganz anders sein, da ein Übergang vom materiell gebundenen Medium (Buch, Schallplatte,…) hin zum materiell ungebundenen Medium (Digitaltechnik) ein grundlegender Paradigmenwechsel ist, der verstanden werden muss, um daraus konstruktiv Schlüsse ziehen zu können und Wege für die Zukunft zu finden, die alle für die Urheberrechtsproblematik relevanten Parteien zufriedenstellen können.

Ich habe den Eindruck, dass auch progressiv denkende Kreise allzu oft dazu verleitet sind, sich ins Schlachtgetümmel zu stürzen, anstatt zu versuchen, Abstand zu gewinnen, und die kritische Denkfähigkeit einzuschalten. Fragen, wie „Was ist kopieren? Woher kommt es, auch historisch betrachtet? Was bedeutet es in verschiedenen Kulturen und Subkulturen?“ wären da zum Beispiel mögliche Ansätze.

Aber auch die verwendeten Terminologien sollten überarbeitet werden, damit sie ihre ideologische Belastung verlieren und neu gedacht werden können. Wenn man zum Beispiel das übersteigerte Kriminalisierungspotenzial aus „Raubkopie“ herausnehmen möchte, könnte man den Begriff auf „illegale Kopie“ reduzieren. Bei weiterem Nachdenken könnte man dann auch noch erkennen, dass „illegale Kopie“ impliziert, dass bestehendes Recht unumstößlich sei, und dass man vielleicht besser auch seine Absolutheit hinterfragen sollte. Dann müsste man es zum Beispiel irgendwie schaffen, „Kopie, die ohne direktes Einverständnis mit dem Erzeuger des Originals angefertigt wurde“ auf ein einziges Wort zu verkürzen, und so weiter.

FAZIT: SPRACHE ALS GRUNDLAGE VON ERKENNTNIS

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
(Ludwig Wittgenstein, „Tractatus Logico-Philosophicus“)

Im Sinne Wittgensteins denke ich, es ist wichtig, ein komplexes Problem zuerst sprachlich zu erschließen, um es überhaupt verstehen zu können, und eine hohe Sensibilität im Umgang mit den verwendeten Begriffen ist hier wichtig. Auf einer so grundlegenden Ebene anzusetzen, ist meiner Meinung nach besonders deshalb nötig, weil – wie an historischen Beispielen gut festgemacht werden kann – der Übergang von einem medialen Paradigma in das nächste während der Zeit des Übergangs angesichts seiner Komplexität von niemandem richtig verstanden werden kann. Das Urheberrecht und das Phänomen „geistiges Eigentum“ sehen somit von hier aus betrachtet einer diffusen digitalen Zukunft entgegen – da sollte man sich zumindest klar sein, was hier passiert, und was „hier“ überhaupt ist.

Da ich nun diesen Blog etwa 2 Jahre lang sträflich vernachlässigt habe, und in Zukunft wieder öfters was posten möchte, kommt hier mal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Videoprojekte der letzten beiden Jahre, in die ich involviert war. Im zweiten Teil gibt’s die wichtigsten Projekte bis Anfang 2012.

Weihnachten 2011: Rüdigers Jagd nach dem Weihnachtsschinken, Weihnachtsgruß / Zeitlupenstudie.
Rüdiger und die Hand mit dem Schinken… eine Haßliebe! Zeitlupenstudie, Aufnahmeformat 720p mit 50fps, Frameinterpolation für Zeitlupe mit Twixtor.

Ende 2011: Trailer für den „zeit im:puls² Kurzfilmwettbewerb 2012“.
Für diesen Trailer habe ich Kamera, Ton und Postproduktion gemacht. Für die Kamerafahrt saß ich übrigens verkehrt auf dem Sattel eines Fahrrades, welches von einem Assistenten manövriert wurde.

Herbst / Winter 2011: soXine feat. Rainer Schönfelder – „Eventuell, eventuell“, Musikvideo.
Ski Alpin – Legende und Society – Moderatorin mit charmanter Peter Alexander – Coverversion. Für dieses Projekt habe ich Kamera, Licht und die gesamte Postproduktion übernommen. Mein erstes größeres Projekt in der Greenbox im WERK.

Herbst 2011: „Schumpeter adopts Social Innovation“, Wissenschaftsfilm / Kurzfilm.
Mein Beitrag zu diesem Projekt: Kamera, Licht, Ton, gesamte Postproduktion. Der Film wurde in einer etwas anderen Fassung als Eröffnungsfilm der „Challenge Social Innovation Conference 2011“ in Wien vorgeführt.

Da ich nun diesen Blog etwa 2 Jahre lang sträflich vernachlässigt habe, und in Zukunft wieder öfters was posten möchte, kommt hier mal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Videoprojekte der letzten beiden Jahre, in die ich involviert war. Im ersten Teil gibt’s die wichtigsten Projekte bis inkl. Mai 2011.

April/Mai 2011: „Vienna flashmob in sympathy for victims of earthquake in Japan“, Kurzdoku.
Für dieses Projekt habe ich die Zeitrafferaufnahmen gemacht und die gesamte Postproduktion übernommen.

April 2011: Six Tin Jonesy – „New Ways“, Musikvideo.
Hier habe ich mich um Kamera, Schnitt und die gesamte Postproduktion gekümmert und habe bei der Projektplanung geholfen.

Six Tin Jonesy Website

Jänner 2011: Black Luxus – „OMG“, Musikvideo.
Im zuge der Arbeiten an „Leerzeichen“ stieß ich bei der Suche nach gemeinfreiem Videomaterial auf die Prelinger Archives. In „Leerzeichen“ kommt in einer Sequenz kurz Footage aus diesem Archiv, gemeinsam mit Musik von Black Luxus vor. Die Kombination der Bilder von US-Atomtests aus den 50er Jahren und dem Song „OMG“ hat mich gereizt, ein ganzes Musikvideo daraus zu machen, worauf ich weiteres altes US – Filmmaterial aus den Prelinger Archives besorgt und das folgende Video daraus gemacht habe:

Winter 2010/11: Pauls – „Disco Love“, Musikvideo.
Bei diesem Projekt war ich für Kamera und Licht verantwortlich.

Pauls Website
Pauls auf Facebook

Winter 2010/11: Leerzeichen, Kurzdrama.
Bei Leerzeichen war ich für Kamera, Licht und Ton verantwortlich.


Rahmenhandlung:
Frei von Psychoanalyse und Psychiatrie werden die letzten Stunden einer jungen Frau vor ihrem selbstgewählten Tod erzählt. In dieser Zeit durchlebt der Zuschauer Gedanken und Träume in Form von Bildern, die aus dem innersten der Protagonistin entspringen zu scheinen. Anfänglichs klar strukturiert verschwimmen Erinnerung und Imagination zu Assoziationen, die symbolhaften Charakter gewinnen. Realität und Fiktion, Traum und Wirklichkeit lassen sich nicht mehr unterscheiden… Bis zum Schluss.

Ein Film von Ulla Bartel.

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