I recently wrote about the Digital Bolex Camera, that’s currently being developed and is due to be available in August this year, because I was quite thrilled by the fact that such a camera would be available at such a low price point (around 3000 US-Dollars). The details you can read in mentioned article, along with the reasons why I think that this is such an outstanding and extraordinary concept.
Then came the NAB Show 2012, the „largest international digital event for audio, video, film, broadcast and communications professionals“ in Las Vegas, where the Australian company Blackmagic Design announced the release of the „Blackmagic Cinema Camera“, due in July 2012.

Blackmagic Cinema Camera

Blackmagic Cinema Camera

The concept is basically very similar to the Digital Bolex, with the main differences being minor ones: the Blackmagic will have a bigger, higher resolution display on camera and a slightly higher resolution sensor (2.5 K instead of 2 K, which in my opinion isn’t really such a big deal), while the Digital Bolex offers slightly higher frame rates. Other than that: they both are designed to be digital approaches to the idea of a 16mm film camera, both recording Raw image streams, both in Adobe DNG – format (while also offering possibilities for recording compressed formats). To compare the technical specs in detail, look here for the Digital Bolex D16 and here for the Blackmagic Design Cinema Camera.

So far, so good. Now, why ist the Blackmagic Cam so interesting? Because it will be available at the same incredibly low price like the Digial Bolex, namely around 3000 US Dollars!

Being good sports about that, the makers of the Digital Bolex react to this new competitor very positively, saying that anything that will help grow the market of Raw video cameras is a good thing, as you can see in a talk between them and Philip Bloom at NAB Show 2012 in Las Vegas, also including interesting info on their business model and their philosophy (for the mentioned interview skip foward to timecode 15:54).

Interview: Philip Bloom and the Digital Bolex Team at NAB Show 2012

Interview: Philip Bloom and the Digital Bolex Team at NAB Show 2012

As I explained in the already mentioned article, this is not only exciting because it gives Raw video at an affordable price to independent filmmakers, but also, because it is turning out to be a clear message to the large video camera manufacturers and their price politics. Their expensive, good cameras, that are rather made for large, general markets and thus for different purposes, might lose at least one of their purposes very quickly to cheaper 16mm Raw cinema cameras, and that means that Canon, Panasonic, Sony and the rest of the happy bunch will probably have to rethink a few things about their professional video products and the prices, at which they are offering them.

Sure, those digital 16mm cameras are targeted at a smaller market then the cameras of the big companies, but nevertheless it’s a niche with a lot of potential and that certainly is a good thing for a rapidly evolving market of professional video cameras!

Dies ist, wie angekündigt, die deutsche Version eines Artikels (in erster Linie) über die Digital Bolex Kamera, den ich bereits auf englisch veröffentlicht habe. Die wenigen Teile des Artikels, die nur für Kamera – Geeks gedacht sind, sind zur besseren Übersicht kursiv markiert (sie sind für das Verständnis des Artikels nicht unbedingt nötig!). Anmerkung: einstweilen deutet nichts darauf hin, dass das Gerät bei Marktstart außerhalb der USA erhältlich sein wird. Noch eine Anmerkung: wie man weiter unten merken wird, verwende ich für diesen Artikel absichtlich „Politik“ als einen sehr weit gefassten Begriff, und das mit Absicht.

Digital Bolex D16

Digital Bolex D16

Kürzlich las ich mit großem Interesse folgende Überschrift: The Digital Bolex D16. Raw 2K for less than a cost of a 5Dmk3?“ auf Philip Bloom’s Blog (der Mann ist unter Videokameraleuten wie mir bekannt wie ein bunter Hund und in dieser Szene der wohl einflussreichste Blogger). Meine erste Reaktion war pures Mißtrauen, ich dachte: „da stimmt was nicht. Eine Videokamera die in Raw aufnimmt um so wenig Geld?“ Als ich mir die technischen Spezifikationen dieses Gerätes durchlas, änderte das nichts an diesem Gefühl (die Eckdaten kurz zusammengefaßt: Auflösung 2k auf einem CCD Sensorchip von der Größe eines Super 16mm Frames, 12 bit 4:4:4 Raw Video im Adobe DNG Format (oder TIFF oder JPEG); XLR Inputs für anständigen Ton; Objektive: C-Bajonett als Standard, optional auch andere wie EF verfügbar).
Eine kurze Erklärung für nicht Eingeweihte: Die Digital Bolex ist geplant als kompromißlose digitale Umsetzung der Bolex Super 16mm Filmkamera, die dafür bekannt ist, in Verbindung mit guten Linsen und Leuten, die damit umgehen können, hervorragende Filmbilder zu produzieren. Die angestrebte Videoqualität, die sie ermöglichen soll, soll in etwa auf dem Niveau von viel teureren Geräten wie der RED Scarlet liegen. Also stellte ich mir die Frage: welche Leute kommen auf so eine Idee, und vor allem: wie in aller Welt wollen die das zu einem derartigen Preis (genannt werden zw. 3000 und 3300 US – Dollar) umsetzen ?
Also fing ich an zu recherchieren und stieß auf einige interessante Informationen.

Zunachst mal kann man sich bereits Bilder ansehen, die mit dem Gerät gemacht wurden, da es bereits einen Prototypen gibt, und zwar handelt es sich um den Trailer zum Kurzfilm „One Small Step“:

Hier gibt’s außerdem behind the scenes – Material vom selben Film (dieses ist aber nicht in HD). Diese Bilder sehen in jedem Fall sehr vielversprechend aus!

Weitere Recherchen ergaben viele zusätzliche Infos auf der technischen Seite, zum Beispiel in diesem Artikel von Stu Maschwitz, in dem er einige z.T. gerechtfertigte Zweifel äußert, (einige davon werden in diesem Artikel aufgelöst) und in jenem von Philip Bloom, den ich bereits weiter oben erwähnte. In meinem Artikel werde ich also nicht näher auf die technischen Aspekte eingehen. Das auch, weil ich in der Überschrift angekündigt habe, über die politischen Dimensionen einer Kamera zu sprechen.

Was meine ich also mit „politische Dimensionen?“ An diesem Punkt muß ich etwas abschweifen, da es wichtig ist, einen Vergleich herzustellen.

Ich besitze 2 Canon EOS 550D DSLR – Kameras, welche zur Herstellung recht hochqualitativer Videobilder imstande sind, und das zu einem sehr geringen Kaufpreis (etwa € 500,- pro Stück). Die ganze Sache hat aber einen Haken: es gibt einige Probleme mit derartigen Geräten, was sie zu alles anderem als der perfekten Videokamera macht. Zugegeben, diese Geräte sind in erster Linie dafür entwickelt worden, Fotos zu machen (worin sie auch sehr gut sind), und die Videofunktion ist nur eine Zusatzfunktion. Für manche Leute, um genau zu sein: unabhängige Filmemacher, ist sie aber viel mehr als das, denn die haben schnell herausgefunden, dass diese kleinen DSLR – Dinger hochauflösende, hochqualitative Videobilder mit einer „filmisch“ wirkenden flachen Schärfentiefe und unglaublich hoher Lichtempfindlichkeit produzieren, um nur die wichtigsten Eigenschaften zu nennen. Schnell entstand also die Frage, ob man nicht die Nachteile der EOS – Serie und anderer Video – DSLRs, wie begrenzte Aufnahmezeit, festgelegte Videobitraten und Framerates, kaum brauchbare Meta-Bildinformationen am Display, Probleme beim Fokussieren, keine brauchbaren Einstellmöglichkeiten für Audioaufnahme etc. etc., irgendwie lösen oder umgehen könnte. Die „geekiest Geeks“ unter den indie – Filmemachern verkündeten: „Yes, we can!“ und programmierten eine gehackte Firmware für die EOS – Serie, genannt „Magic Lantern„, die nicht nur die genannten Probleme recht gut in den Griff kriegt, sondern auch eine Fülle an nützlichen Zusatzfunktionen bietet – all das unter der Voraussetzung, dass man bereit ist, eine Software auf seiner Kamera zu installieren, für die zwar keinerlei Garantien übernommen werden, die sich aber dennoch bereits vielfach als verläßlicher Begleiter bewährt hat! Wenn man sich also ansieht, in welche Art von Kamera Magic Lantern meine 550D verwandelt hat, müßte man am freien Markt für Videokameras ein Vielfaches der Summe in die Hand nehmen, die die 550D gekostet hat, um etwas Vergleichbares zu finden.
Darüber hinaus haben wiederum andere Geeks, als die vorher erwähnten, Kamera – Farbprofile entwickelt, welche Usern der Canon EOS – Serie durch eine starke Erhöhung des Dynamikumfanges, bei gleichzeitigen sehr guten Detail- und Farbeigenschaften, vormals ungeahnte Möglichkeiten für die Bildbearbeitung während der Post Production eröffnet. Mein derzeit bevorzugtes Farbprofil ist übrigens der Technicolor Cine Style, aber ich verwende auch andere, wie Marvels Advanced).

Genug des Abschweifens, zurück zum Punkt: Ich habe einen Kamerahersteller (Canon) beschrieben, der Hardware produziert, die zu vielen tollen Dingen fähig ist, aber auf der Software – Seite sehr viel davon nicht implementiert. Weshalb also ist das ein politisches Problem? Weil preiswerte, gute Videokameras für Menschen (insbesondere Künstler) in einer globalisierten digitalen Gesellschaft, die zunehmend von audiovisueller, multimedialer Kommunikation geprägt ist, ein essenzielles Werkzeug sind, um sich auszudrücken. Um das anders zu formulieren: audiovisuellen Produktionsequipment leistbar zu machen ist eine Sache, die es den Menschen leichter macht, wahrgenommen zu werden, was ein wichtiges Grundprinzip für Kommunikation in einer demokratischen Gesellschaft ist. Und das ist das politische daran.

Der freie Markt bietet zwar alle Möglichkeiten für professionelle Videoproduktion, bislang aber nur auf sehr hohem Preisniveau. Gute Beispiele dafür sind die Canon C300, die RED Camera – Serie, oder die Arri Alexa, um nur einige zu nennen.
Kleine, unabhängige Filmemacher sind mit ihren sehr limitierten finanziellen Mitteln und wenigen Ressourcen diejenigen, die hochqualitatives, speziell angepasstes Videoequipment zu sehr günstigen Preisen bereitstellen, denn sie sind (von Herstellerseite her) die einzigen mit genügend Interesse daran, um das auch umzusetzen. Magic Lantern und spezielle Farbprofile sind zur gänze frei verfügbar und basieren auf gutem Willen, zum Teil freiwilliger finanzieller Unterstützung und einer Schar von unabhängigen Filmemachern, die sie testen und dabei helfen, sie (weiter) zu entwickeln.

Elle Schneider und Joe Rubinstein

Elle Schneider und Joe Rubinstein

Die Digital Bolex wird zu einem sehr niedrigen Preis verfügbar sein. Das ist auf eine politische Entscheidung zurückzuführen, welche die Macher dieser Kamera (Joe Rubinstein und Elle Schneider) getroffen haben: da sie selbst Filmemacher sind, wollten sie die Möglichkeit, mit einer solchen Kamera zu arbeiten, möglichst vielen anderen Filmemachern eröffnen, im Wissen, dass eine solche Kamera höchst wahrscheinlich auch deutlich teurer verkauft werden könnte. Diese Idee passt sehr gut zu ihrem Geschäftskonzept, welches zum einen auf Micro Funding basiert (sie haben eine sehr erfolgreiche Kampagne auf der Micro Funding – Plattform „Kickstarter“ gestartet), und zum anderen Crowd Sourcing mit einbezieht (der Input von anderen Filmemachern war und ist für das Projekt von großer Bedeutung). Rubinstein und Schneider erklären diese Dinge (und vieles mehr, unter anderem Technisches!) in einem sehr interessanten Telefoninterview, das Philip Bloom mit ihnen führte.

Um nun auf Canon zurück zu kommen: dieser Konzern hat eine andere, unterschiedliche politische Entscheidung getroffen. Er hat entschieden, den eigenen, hochpreisigen High End – Markt zu schützen, und zwar durch weglassen jeglicher professioneller Video- und auch vieler Foto-Funktionen in ihrer billigen Hardware, obwohl diese ohne weiteres zu sehr viel mehr fähig wäre. Das ist freilich genau die richtige Entscheidung für Canon – alles andere würde keinen Sinn ergeben und die Marktstellung dieses Konzerns gefährden. Keiner der Mitbewerber (die wichtigsten wären hier Nikon, Panasonic oder Sony) würde es anders machen. Es würde einfach nicht den klassischen Regeln des freien, globalen Marktes entsprechen.

All das bedeutet: es ist vom technischen Standpunkt betrachtet kein Problem, zu niedrigen Preisen professionelles Videoequipment anzubieten, und das sogar ohne die riesige Menge an Resourcen, wie sie ein großer Konzern hat – das hat Magic Lantern bewiesen, und das wird auch höchstwahrscheinlich Digital Bolex zeigen. Aus politischer Sicht ist es aber sehr wohl ein Problem.
Dennoch: die politischen Rahmenbedingungen auf diesem Bereich beginnen sich offenbar zu ändern! Das interessante daran ist, dass sie sich nicht durch die Kraft von sehr wenigen großen Entscheidungsträgern ändern, sondern durch die Kraft vieler kleiner. Sollte das wirklich der Fall sein, könnte das den Effekt haben, dass gewisse Großkonzerne gezwungen sind, ihre Preispolitik am Bereich der professionellen Videoausrüstung zu überdenken und anzupassen. Auch in diesem Falle wirken eben die Prinzipien des freien Marktes!
Jedenfalls sollte man bedenken, dass es hier nur um eine kleine, spezielle Gruppe von Leuten geht: die der unabhängigen Filmschaffenden. Man sollte aber auch bedenken, dass technisches UND soziales Hacking sehr wohl auch auf sehr vielen verschiedenen anderen Ebenen funktioniert.

In diesem Sinne: Wir unabhängigen Filmschaffenden scheinen unter Umständen endlich aus den „dark days of video-cinematography“ herauszutreten, und zwar zu unseren eigenen Bedingungen:

Bleibt nur zu sagen: ich wünsche dem Digital Bolex Projekt alles Gute und hoffe, dass ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden!

EINLEITUNG: EINE KLEINE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG

Illustration: © Japan Inc Communications

Illustration: © Japan Inc Communications

Die latent aktuelle Urheberrechtsdebatte ist ein Gebilde, das an Krieg erinnert. Zwei Seiten stehen einander gegenüber, jede hat ihre streng abgegrenzte Ideologie und bekämpft die andere mit Mitteln der Propaganda.
Das ist natürlich eine starke Vereinfachung einer komplexen Diskurssituation, die durchaus auch differenzierte, kritische Standpunkte erlaubt. Letztere scheinen aber – mal mehr, mal weniger – ein Underdog-Dasein zu fristen.

Das umso mehr, je aktueller gerade der jüngste Schlag einer der beiden „Seiten“ ist. Jetzt ist gerade ein guter Zeitpunkt, dieses Phänomen zu beobachten, da der bekannte deutsche Musiker und Autor Sven Regener ein sehr schönes Beispiel für so einen „Schlag“ abgeliefert hat. Kurz zusammengefasst: in einer gut fünfminütigen Polemik (Terminologie: „Wutrede“, „Instant-Pamphlet“) in Form eines Radiointerviews auf BR2 rechnet Regener mit großen Internetkonzernen (insbesondere Google/Youtube) ab, da diese von frei angebotenem Content profitieren würden, auf den sie gar keinen Anspruch hätten, und darüber hinaus auch mit den Usern der Internetgeneration, da diese den Künstlern „ins Gesicht pinkeln“ würden, weil sie kein Bewusstsein dafür hätten, dass Urheber Anspruch auf Bezahlung für ihre Leistung hätten. Ein Seitenhieb auf die Piratenpartei geht sich dabei dann auch noch aus.

Das aktuelle Schlachtgetümmel in diesem „Krieg“ stellt sich nun wie folgt dar: in einer Lawine von Zeitungsartikeln, Blogeinträgen und Forendiskussionen werden altbekannte Positionen wiedebesetzt und verteidigt, ohne dass auf beiden Seiten Land gewonnen, oder sich die Fronten aufweichen würden. Ein Artikel in der Online – Ausgabe der Welt fasst ein paar der Standpunkte beider Seiten exemplarisch zusammen, und schließt nach einem Absatz über Regener-Gegenpositionen mit dem bezeichnenden Satz:

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Fürsprecher des Urheberrechts kontern.

Der Diskurs passiert hier also in erster Linie auf der Ebene von Angriff und Gegenangriff, Attacke und Konterattacke. Die Diskussion schafft es nicht auf eine Sachebene, da auf beiden Seiten stark emotional aufgeladene Begriffe und Formulierungen verwendet werden, und auch die Berichterstattung darüber, was passiert, fasst dies zumeist nur zusammen und versucht oft erst gar nicht, dahinter zu steigen.

WORÜBER WIRD EIGENTLICH GESPROCHEN?

Einige der zentralen Begriffe dieses Diskurses will ich hier näher betrachten, es sind: „Raubkopierer“, „Internetpiraten“, „Contentmafia“ und „Raubmordkopierer“. Ich habe bewusst jeweils zwei von jeder der beiden „verfeindeten“ Seiten ausgewählt, und zwar die wohl plakativsten und extremsten Beispiele, weil ich etwas verdeutlichen will. Alle vier dienen zur Bezeichnung der jeweiligen Gegenseite, wobei sich der letzte  („Raubmordkopierer“) bereits auf eine Metaebene begibt und in Form einer zynischen Übersteigerung das Verleumdungspotenzial des Begriffes „Raubkopierer“ thematisiert. Gemein ist ihnen jedenfalls, dass sie versuchen, die jeweilige Gegenseite in ein starkes verbrecherisches Licht zu rücken, welches weit über bloße Kavaliersdelikte hinausgeht.

Die Ursprünge der Begriffe „Raubkopierer“ und „Internetpiraten“ sind mit höchster Wahrscheinlichkeiten irgendwo in der Content – Industrie zu verorten, und sind in den Mainstream – Medien bereits stark etabliert. Die Gegenseite konterte mit „Contentmafia“ als Bezeichnung für die Contentindustrie, und „Raubmordkopierer“ als bereits erwähnte zynische Übersteigerung. In ähnlicher Weise wurde übrigens in Form der „Piratenpartei“ der ursprüngliche  „Internetpirat“ affirmativ in seiner Bedeutung umgekehrt.

„Piraterie“, „Raub(mord)“ und „Mafia“, also mehr oder weniger organisierte Kriminalität, sind somit scheinbar wichtige Rahmenstrukturen für den Kampf um geistige Eigentumsrechte geworden.

Handelt es sich um eine bloße emotionale Übersteigerung? Nein, das würde das Problem auf eine Sammlung rhetorischer Mittel verkürzen.
Viel eher sollte man sich um eine Sichtweise bemühen, welche die ideologische Aufladung von Begriffen zu analysieren versucht. So kann man dann auch zur Frage gelangen: Welche Ideologien und Gegenideologien verbergen sich hinter diesen Begriffen? Woher kommen diese Ideologien?

DER BEGRIFF „KOPIEREN“ ALS BEISPIEL

Der Begriff „Raubkopie“ lässt sich äußerst einfach dekonstruieren, so wie es beispielsweise in digital „aufgeklärten“ Kreisen beinahe schon gebetsmühlenartig gemacht wird: „Kopieren ist nicht stehlen“, wird da ständig wiederholt. Klar, es ist etwas anderes, ob etwas von dem Ort weggenommen wird, an dem der eigentliche Besitzer Zugriff darauf hatte (stehlen), oder ob etwas bloß kopiert wird, also am Ursprungsort verbleibt (kopieren).

Aber: wo führt diese Erkenntnis hin? Für sich alleine lässt sie keine praktischen Rückschlüsse zu, denn wenn kopieren nicht stehlen ist, sollte es ja kein Problem sein, dass jeder denkbare Content frei im Internet verfügbar ist. Ist es aber offensichtlich doch.

Also: Was IST kopieren eigentlich? Regener hat noch nicht einmal verstanden, was es nicht ist. Er zieht im oben genannten Interview in Bezug auf das Problem des Nicht-Bezahlens von Musik im Internet folgenden Vergleich: „[Es ist] eine Frage des Respekts und Anstands […], nichts im Supermarkt zu klauen, selbst wenn man weiß, dass man nicht erwischt wird.“ und begibt sich damit auf jene Argumentationsebene, welche die Contentindustrie schon seit Jahren nicht transzendieren zu können scheint. Aber warum hat er das nicht verstanden? Womöglich hört er viel zu oft, dass er nichts verstehe, weil er zum alten Eisen gehöre, und das ganze wird dann mit emotional aufgeladenen Wendungen und ideologisch belasteten Begriffen ausgeschmückt. Wer würde sich da nicht gleich instinktiv dazu verleitet fühlen, in den Gegenangriff überzugehen?

Wenn die Diskussion etwas mehr in die Tiefe gehen würde, könnte das ganz anders sein, da ein Übergang vom materiell gebundenen Medium (Buch, Schallplatte,…) hin zum materiell ungebundenen Medium (Digitaltechnik) ein grundlegender Paradigmenwechsel ist, der verstanden werden muss, um daraus konstruktiv Schlüsse ziehen zu können und Wege für die Zukunft zu finden, die alle für die Urheberrechtsproblematik relevanten Parteien zufriedenstellen können.

Ich habe den Eindruck, dass auch progressiv denkende Kreise allzu oft dazu verleitet sind, sich ins Schlachtgetümmel zu stürzen, anstatt zu versuchen, Abstand zu gewinnen, und die kritische Denkfähigkeit einzuschalten. Fragen, wie „Was ist kopieren? Woher kommt es, auch historisch betrachtet? Was bedeutet es in verschiedenen Kulturen und Subkulturen?“ wären da zum Beispiel mögliche Ansätze.

Aber auch die verwendeten Terminologien sollten überarbeitet werden, damit sie ihre ideologische Belastung verlieren und neu gedacht werden können. Wenn man zum Beispiel das übersteigerte Kriminalisierungspotenzial aus „Raubkopie“ herausnehmen möchte, könnte man den Begriff auf „illegale Kopie“ reduzieren. Bei weiterem Nachdenken könnte man dann auch noch erkennen, dass „illegale Kopie“ impliziert, dass bestehendes Recht unumstößlich sei, und dass man vielleicht besser auch seine Absolutheit hinterfragen sollte. Dann müsste man es zum Beispiel irgendwie schaffen, „Kopie, die ohne direktes Einverständnis mit dem Erzeuger des Originals angefertigt wurde“ auf ein einziges Wort zu verkürzen, und so weiter.

FAZIT: SPRACHE ALS GRUNDLAGE VON ERKENNTNIS

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
(Ludwig Wittgenstein, „Tractatus Logico-Philosophicus“)

Im Sinne Wittgensteins denke ich, es ist wichtig, ein komplexes Problem zuerst sprachlich zu erschließen, um es überhaupt verstehen zu können, und eine hohe Sensibilität im Umgang mit den verwendeten Begriffen ist hier wichtig. Auf einer so grundlegenden Ebene anzusetzen, ist meiner Meinung nach besonders deshalb nötig, weil – wie an historischen Beispielen gut festgemacht werden kann – der Übergang von einem medialen Paradigma in das nächste während der Zeit des Übergangs angesichts seiner Komplexität von niemandem richtig verstanden werden kann. Das Urheberrecht und das Phänomen „geistiges Eigentum“ sehen somit von hier aus betrachtet einer diffusen digitalen Zukunft entgegen – da sollte man sich zumindest klar sein, was hier passiert, und was „hier“ überhaupt ist.

DISCLAIMER: I’m writing this post in english on my german blog, because of the simple fact that the current hype about the Digital Bolex – project is happening first and foremost within english language – blogspheres (unless i missed something) … I published the german version here! Also, i marked the nerdy stuff italic, so that all non-camera geeks and video professionals can skip over it quickly (it’s not really necessary for understanding the article!). EDIT: I want to point out, that in this article I use the term „politics“ in a very universal way, and I do that on purpose.

Digital Bolex D16

Digital Bolex D16

When earlier today I read the headline The Digital Bolex D16. Raw 2K for less than a cost of a 5Dmk3?“ on Philip Bloom’s Blog, my first reaction was disbelief and suspicion, i thought: „there’s gotta be something fishy about this“. When I read through the technical specs, this didn’t really change (in short: 2k resolution on a Super 16mm sized CCD chip, 12 bit 4:4:4 Raw Video output in Adobe DNG, TIFF or JPEG; XLR inputs for decent audio; lenses: C-mount as standard, but others – like EF – possible too). For all the non-geeks: The Digital Bolex is supposed to be the no-compromise digital version of a Bolex Super 16mm film camera, which has proven to be capable of producing great movie images, if combined with good lenses and people who know what they are doing. The quality of the video that it records is supposed to compare to that of far more expensive video cameras like the RED Scarlet. I thought to myself: who are these guys, and how do they intend to pull this off for roughly € 2700 US $ 3300? (Sorry, had the wrong exchange rate before, so I think I better keep in the original currency of US $.)
So I looked further and found out some quite interesting facts.

The first one is, that you can actually watch some images of the prototype of the Digital Bolex on the web – here’s a trailer to the first short film shot on that camera:

Here you can find some behind the scenes – footage of the same movie (that one not in HD). (unfortunately both videos aren’t in HD, but Digital Bolex have promised to change that quickly) Those pictures look really promising!

Digging a bit deeper, I found more details – the technical issues are covered quite well by Stu Maschwitz in this Article, where he offers some mostly justified technical concerns, (some of them are cleared up here) and in this one by Philip Bloom, which i already mentioned above. That’s why I won’t go further into the technical side of this in this article. Also, because I promised to talk about the political dimensions of this camera idea (ok, it’s a bit more than an idea, but they haven’t quite pulled it off yet – I certainly hope they will!).

What do I mean by „political dimensions“? Here I have to drift off from the original topic for a moment.

I’m the owner of 2 Canon EOS 550D (aka Rebel T2i) cameras, that produce quite high quality video images at a very low price point (roughly €500 per camera). But it’s not as simple as that. There are many issues with those video DSLR Cameras, that make them less than perfect as video cameras. Ok, one has to admit, they were never really planned to be video cameras in the first place, they merely were laid out to be photo cameras with an additional video function.
But then: along came the indie filmmakers, who had discovered, that those little DSLR things could do some awesome tricks (high quality, high resolution video images, shallow depth of field, incredible low light capabilities – to mention the most important ones) at very low cost. So, they thought to themselves, can’t we really do anything about the shortcomings of the EOS – series and other DSLRs with video capabilities, like limited recording time, fixed video bit rates, fixed frame rates, hardly any live view information displayed, no audio features (sometimes not even level control!) and so on? The geekiest geeks amongst them said: yes, we can! and they programmed a hacked firmware for a few cameras of the EOS series called Magic Lantern, that doesn’t only fix the mentioned shortcomings, but also adds a whole lot of additional feature-goodness, given that you’re ready to install software on your camera that comes with no warranty at all, but still has proven to work tremendously well! Looking at all the things that Magic Lantern added to my 550D, you would have to take A LOT more money into your hands to be offered the same capabilities in a video camera on the free market.
Also, some geeks who are only a bit different from the previous ones, developed color profiles, that would allow the Canon DSLR – using filmmakers to take their images to a whole new level during post production by giving them tremendous dynamic range while preserving details and colours very well (my favourite one currently is the Technicolor Cine Style, but I also use others, like Marvels Advanced).

Enough of the drifting off, let’s start getting back to the point: I described a camera manufacturer (Canon), who builds camera hardware, that is capable of a lot of great stuff, but refuses to implement most of these functions. Why is that a political dimension? Because cheap, good video cameras are an incredibly important factor for people, especially artists, being capable of expressing themselves in a globalized, digital world that’s being increasingly dominated by audio-visual and multi medial communication. Put differently: making audio – visual production equipment affordable is a matter of giving people better means of being heard, which is an important basic principle of communication in a democratic society. So you see: we’re dealing with a highly political topic here.

The free market, of course dominated by the large companies, gives us all the means for professional video production, but at a certain price level only. Great example: the rather new Canon C300, or the RED Camera Series, or the Arri Alexa, just to mention a few.
The small independent filmmakers with their very limited means (hardly any money and other resources) are the ones to deliver professional quality equipment in very affordable price ranges, because they are the only ones with enough interest invested to have that. Magic Lantern and custom colour profiles are entirely free and mostly rely on good will, some voluntary financial support and a few indie filmmakers testing and helping to develop them.

Elle Schneider and Joe Rubinstein

Elle Schneider and Joe Rubinstein

The Digital Bolex will be available at a very low price. That’s because of a political decision, that the makers of this camera (Joe Rubinstein and Elle Schneider) made: being filmmakers themselves, they wanted to offer the possibility of shooting on such a camera to a lot of other filmmakers too, even though they know that they could be charging a lot more for such a camera. This idea fits their business concept very well, which, for one part, is micro funding, (they have launched a very successful campaign on the micro funding platform Kickstarter), and, for the other part, is crowd sourcing (they talk to a lot of people for input on the camera development). By the way, Rubinstein and Schneider explain those things (and a lot more, technical stuff too!) in a very interesting Telephone Interview that Philip Bloom had with them.

Taking a look back at Canon, one could see a different political decision, that this company has taken: it’s decided to protect it’s high end market by not implementing professional grade functions in their cheap, but highly capable hardware. That’s a perfectly understandable and logical decision. Canon would be stupid to do so, looking at some of their main competitors like Nikon, Sony and Panasonic – they don’t do so either – it simply doesn’t work well along with the classic principles of a free global market.

What this all means is: technically, it is no problem to offer cheap professional grade video equipment, even with very few resources at hand (as proven by Magic Lantern and – most likely – by Digital Bolex), but politically it very well is. BUT: politics in that area actually seem to start changing! The interesting thing about that is, that they are not being changed by the very few large policy makers, but by quite a few small ones. EDIT: I want to point out: if this works and maybe even other projects like this follow, it might just have the effect that certain large companies will be forced to overthink their price politics on the area of professional video gear… that’s where the classic principles of a free global market come in handy!
Still, keep in mind, that all this is only about a very small, specialized group of people – the group of independent filmmakers. But also keep in mind, that technical AND social hacking works on a lot of different levels as well.

My conclusion, with the Digital Bolex in mind, is, that maybe we (independent movie guys) might actually be starting to step out of the „dark days“ of video – cinematography on our own terms:

All that’s left to say is that I wish all the best to the Digital Bolex project, I hope they succeed!

Da ich nun diesen Blog etwa 2 Jahre lang sträflich vernachlässigt habe, und in Zukunft wieder öfters was posten möchte, kommt hier mal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Videoprojekte der letzten beiden Jahre, in die ich involviert war. Im zweiten Teil gibt’s die wichtigsten Projekte bis Anfang 2012.

Weihnachten 2011: Rüdigers Jagd nach dem Weihnachtsschinken, Weihnachtsgruß / Zeitlupenstudie.
Rüdiger und die Hand mit dem Schinken… eine Haßliebe! Zeitlupenstudie, Aufnahmeformat 720p mit 50fps, Frameinterpolation für Zeitlupe mit Twixtor.

Ende 2011: Trailer für den „zeit im:puls² Kurzfilmwettbewerb 2012“.
Für diesen Trailer habe ich Kamera, Ton und Postproduktion gemacht. Für die Kamerafahrt saß ich übrigens verkehrt auf dem Sattel eines Fahrrades, welches von einem Assistenten manövriert wurde.

Herbst / Winter 2011: soXine feat. Rainer Schönfelder – „Eventuell, eventuell“, Musikvideo.
Ski Alpin – Legende und Society – Moderatorin mit charmanter Peter Alexander – Coverversion. Für dieses Projekt habe ich Kamera, Licht und die gesamte Postproduktion übernommen. Mein erstes größeres Projekt in der Greenbox im WERK.

Herbst 2011: „Schumpeter adopts Social Innovation“, Wissenschaftsfilm / Kurzfilm.
Mein Beitrag zu diesem Projekt: Kamera, Licht, Ton, gesamte Postproduktion. Der Film wurde in einer etwas anderen Fassung als Eröffnungsfilm der „Challenge Social Innovation Conference 2011“ in Wien vorgeführt.

Da ich nun diesen Blog etwa 2 Jahre lang sträflich vernachlässigt habe, und in Zukunft wieder öfters was posten möchte, kommt hier mal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Videoprojekte der letzten beiden Jahre, in die ich involviert war. Im ersten Teil gibt’s die wichtigsten Projekte bis inkl. Mai 2011.

April/Mai 2011: „Vienna flashmob in sympathy for victims of earthquake in Japan“, Kurzdoku.
Für dieses Projekt habe ich die Zeitrafferaufnahmen gemacht und die gesamte Postproduktion übernommen.

April 2011: Six Tin Jonesy – „New Ways“, Musikvideo.
Hier habe ich mich um Kamera, Schnitt und die gesamte Postproduktion gekümmert und habe bei der Projektplanung geholfen.

Six Tin Jonesy Website

Jänner 2011: Black Luxus – „OMG“, Musikvideo.
Im zuge der Arbeiten an „Leerzeichen“ stieß ich bei der Suche nach gemeinfreiem Videomaterial auf die Prelinger Archives. In „Leerzeichen“ kommt in einer Sequenz kurz Footage aus diesem Archiv, gemeinsam mit Musik von Black Luxus vor. Die Kombination der Bilder von US-Atomtests aus den 50er Jahren und dem Song „OMG“ hat mich gereizt, ein ganzes Musikvideo daraus zu machen, worauf ich weiteres altes US – Filmmaterial aus den Prelinger Archives besorgt und das folgende Video daraus gemacht habe:

Winter 2010/11: Pauls – „Disco Love“, Musikvideo.
Bei diesem Projekt war ich für Kamera und Licht verantwortlich.

Pauls Website
Pauls auf Facebook

Winter 2010/11: Leerzeichen, Kurzdrama.
Bei Leerzeichen war ich für Kamera, Licht und Ton verantwortlich.


Rahmenhandlung:
Frei von Psychoanalyse und Psychiatrie werden die letzten Stunden einer jungen Frau vor ihrem selbstgewählten Tod erzählt. In dieser Zeit durchlebt der Zuschauer Gedanken und Träume in Form von Bildern, die aus dem innersten der Protagonistin entspringen zu scheinen. Anfänglichs klar strukturiert verschwimmen Erinnerung und Imagination zu Assoziationen, die symbolhaften Charakter gewinnen. Realität und Fiktion, Traum und Wirklichkeit lassen sich nicht mehr unterscheiden… Bis zum Schluss.

Ein Film von Ulla Bartel.

Leerzeichen auf Facebook

Wie bereits angekündigt ist meine Diplomarbeit nun online verfügbar, und zwar im Volltext als PDF – Download. Der Download steht am Hochschulschriftenserver „E-Thesis“ der Universität Wien bereit: http://othes.univie.ac.at/7971/

EDIT 04/2010: Die Diplomarbeit ist mittlerweile auch als Buch käuflich zu erwerben: ISBN 978-3-640-57521-3 / Amazon – Link.

Man hat irgendwie schon lange das Gefühl, dass die erbitterten Schlachten, die die Contentindustrie gegen sogenannte „Piraten“ oder „Raubkopierer“ führt, einerseits maßlos übertrieben, und andererseits über kurz oder lang sowieso zum scheitern verurteilt sind. Im Zuge dessen tauchen Fragen auf wie „hat das geistige Eigentum eigentlich heute noch seine Berechtigung?“ und „wie sollen die Produzenten von Kulturgütern eigentlich für ihre Leistungen vergütet werden, wenn ihre Produkte ungehindert und frei im Internet zirkulieren?“ Was nun genau hinter dieser Problematik steckt, lässt sich gar nicht so einfach niederbrechen. Ich habe – wie ich in diesem Eintrag erkläre – einen medienhistorischen Zugang gewählt, um das Problem näher zu beleuchten. Wie und warum das funktionieren soll? Weiterlesen!

Geschichte wiederholt sich, bzw. ist ein zirkulärer Prozess. Diese Aussage sollte man zwar nicht allzu wörtlich nehmen, aber sie hat genau dann ihre volle Berechtigung, wenn man damit bestimmte Muster und Strukturen bezeichnet, die sich unter gewissen Umständen – wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen – wiederholen. Dazu nun ein Beispiel.

Im 15. Jahrhundert wurde nicht nur der Buchdruck erfunden, sondern es etablierte sich gemeinsam damit auch die dezentrale Distributionsstruktur des freien Marktes. Kirchlichen und weltlichen Machthabenden wurde dadurch nachhaltig die hegemoniale Kontrolle über Wisensverwaltung und -distribution Entzogen – restriktive Gegenmaßnahmen wie Zensur und Approbation konnten dies von Anfang an nicht verhindern, doch waren sie etwa 3 Jahrhunderte lang die Einzigen Mittel, welche die Kontrollinstanzen der dezentralen Unterwanderung durch einen unüberschaubaren Informationsmarkt entgegenzusetzen hatten. Erst die Entstehung des geistigen Eigentums im 18. Jahrhundert konnte eine der medialen Situation angepasste Regulierung von Informationsdistribution gewährleisten – freilich hatten sich Kultur und Gesellschaft in der Zwischenzeit auf allen denkbaren Ebenen stark verändert.

Im 20. Jahrhundert wurde nicht nur die digitale Rechenmaschine erfunden, sondern es etablierte sich gemeinsam damit auch eine dezentrale Struktur zur Distribution von Information, bekannt als Internet. Der Kultur- oder Contentindustrie wurde dadurch nachhaltig die hegemoniale Kontrolle über die Distribution kultureller Güter entzogen – restriktive Gegenmaßnahmen wie Rechtsverschärfungen und Klagewellen/Schauprozesse gegen einzelne „Contentdiebe“ und „-verteiler“ unter Millionen konnten dies von Anfang an nicht verhindern, doch sind sie bis heute die einzigen Mittel, welche die Kontrollinstanzen der dezentralen Unterwanderung durch einen unüberschaubaren Austausch kultureller Güter entgegenzusetzen haben. Eine der medialen Situation angepasste Regulierung, welche sowohl Konsumenten als auch Produzenten kultureller Güter zufriedenstellen würde, wird fieberhaft gesucht. Ebenso fieberhaft gesucht wird eine neue Rolle, welche die ehemaligen Distributoren der nun mehr obsolet gewordenen materiellen Informationsträger (Kultur- oder Contentindustrie) unter den neuen Voraussetzungen ausfüllen sollen.

Die Parallelen stechen ins Auge – in beiden Fällen handelt es sich um den Übergang von einem medialen Paradigma zu einem neuen, womit etablierte Strukturen und kulturelle Gewohnheiten umgestoßen werden und gegen das Neue zunächst angekämpft wird, weil es nicht verstanden wird.
Genau dieser Gedanke war wohl der primäre Grund, warum ich eine medienhistorische Herangehensweise dafür gewählt habe, in meiner Diplomarbeit das Phänomen „geistiges Eigentum“ im Zusammenhang mit dem heutigen digitalen Medienparadigma zu untersuchen. Sie verspricht nämlich, aus einer historischen Perspektive Licht in eine Angelegenheit zu bringen, welche kaum verstehbar ist – einerseits in ihrer Komplexität, andererseits deshalb, weil es sich um einen andauernden, noch lange nicht abgeschlossenen Prozess handelt.

Ein erster Eindruck, wie ich in der Arbeit vorgegangen bin, lässt sich durch folgende, der Arbeit entnommene Zusammenfassung gewinnen. Die gesamte Arbeit wird demnächst u.a. auf dem Hochschulschriftenserver der Universität Wien und in weiterer Folge hier am Blog zu finden sein.
EDIT 02/2010: Zum PDF-Download der Diplomarbeit: http://othes.univie.ac.at/7971/
EDIT 04/2010: Die Diplomarbeit ist mittlerweile auch als Buch käuflich zu erwerben: ISBN 978-3-640-57521-3 / Amazon – Link.

„Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Status des Phänomens „geistiges Eigentum“ in seinen positiven Ausformungen „Urheberrecht“ beziehungsweise „Copyright“ und seiner historischen Entwicklung bis ins angehende 21. Jahrhundert auseinander.

Die Arbeit zeigt, wie das Konzept des geistigen Eigentums mit dem Aufstieg und Fall der Buchkultur in Verbindung steht und geht dabei besonders auf den Status des Autors als Schöpferindividuum ein, wie er in der Zeit um 1800 entstand und seit Ende des 19. Jahrhunderts begann, sich in philosophischen Diskursen wieder aufzulösen.

Die historische Analyse zeigt, wie epistemologische Debatten Autor- und Künstlerkonzepte formten und sich daraus juristische Konzepte zur Regulierung geistiger Eigentumsrechte ergaben.
Dabei wird hauptsächlich eine medienhistorische Perspektive angewandt, d.h. dass zunächst von den historischen Auswirkungen neuer Medientechnologien auf ihre Bedeutung für die beiden aneinander gekoppelten Konstrukte „Autorschaft“ und „geistige Eigentumsrechte“ geschlossen wird.

So wird der historische Unterbau für eine Betrachtung des heutigen Status von geistigem Eigentum hergestellt, wobei die Auswirkungen digitaler Vernetzung auf Autorschaft und kulturelle Produktion ins Zentrum des Interesses rücken. Dabei wird u.a. differenziert, welche Arten kultureller Produktion auf Traditionen der Buchkultur gründen und welche den digitalen Medien entspringen. Dies eröffnet eine Perspektive, die den medialen Paradigmenwechsel, der im 15. Jahrhundert durch die Erfindung des Buchdrucks ausgelöst wurde, mit jenem vergleicht, der von der Entstehung der technischen Medien Ende des 19. Jahrhunderts vorbereitet und durch die globale digitale Vernetzung ins Rollen gebracht wurde.

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die heutigen geistigen Eigentumsrechte in ihren positiven Ausformungen den medialen Rahmenbedingungen nicht mehr entsprechen, da sie auf den Voraussetzungen der Buchkultur gründen, mit einer digital vernetzten Medienumwelt nicht kompatibel und daher langfristig nicht mehr ohne grundlegende Transformationen haltbar sein werden. Die Schwierigkeit, dieses Problem in all seinen Ebenen zu erkennen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen, hängt mit der Beschaffenheit medialer Paradigmenwechsel im Allgemeinen zusammen, was auch am historischen Beispiel des Wechsels zur Buchkultur gezeigt wird: der Übergang zu einem neuen Paradigma kann nur dann vollends verstanden werden, wenn die Gesetzmäßigkeiten des neuen Paradigmas in all ihren Auswirkungen erfasst werden, was zur Zeit des Übergangs kaum möglich ist, da jegliche Beschreibungsversuche zunächst auf Begrifflichkeiten des alten Paradigmas angewiesen sind.“

Quelle: Razocha, Florian: „Geistiges Eigentum von der frühen Neuzeit bis ins Zeitalter der digitalen Information – Eine medienhistorische Betrachtung eines Phänomens.“ Diplomarbeit, Universität Wien 2009.

In folgendes kurzes Video habe ich ein paar Eindrücke von der kurzen Besetzung der Mensa des Wissenschaftsministeriums in Wien durch Studierende und Lehrende des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft am 5.11.2009 gepackt, die im Zuge eines Bundesweiten Aktionstages stattfand, welcher von den BesetzerInnen des Audimax der Uni Wien ausging.

http://www.thewi.at
http://unsereuni.at
Musik: Salakapakka ( Link )

Als Christoph Gasteiger und meine Wenigkeit vor knapp sechs Jahren die Idee hatten, in Bad Goisern ein kleines Rockfestival in der Kunstmühle zu organisieren, hätten wir wohl nicht so ohne weiteres geglaubt, dass das Festival heute da sein würde, wo es jetzt ist. Wir waren ziemlich unsicher darüber, ob es überhaupt mehr als eine einmalige Angelegenheit sein würde.

Das Publikum in Goisern und den umliegenden Gemeinden (teilweise auch von weiter her) hat uns eines Besseren belehrt: das Kunstmue Festival wird offenbar von vielen gemocht und jedes Jahr wieder gerne besucht.

Deshalb hat das Festival auch schon eine kleine Erfolgsgeschichte hinter sich: jedes Jahr kommen etwas mehr Besucher als zuvor – von knapp 300 im ersten Jahr hat sich die Besucherzahl auf gut 600 Besucher am Kunstmue Festival 2008 mehr als verdoppelt.

Das Prinzip ist einfach, und funktioniert dementsprechend gut: niemand bezahlt Eintritt, Getränke und Speisen sind nicht überteuert und es gibt eine gratis Campingmöglichkeit.

Aber wie in aller Welt soll so etwas zu finanzieren sein?

Ganz einfach: alle, denen etwas am Festival liegt, helfen mit, so gut sie können.

Zahlreiche Helfer arbeiten ehrenamtlich im Vorfeld bei der Organisation und am Festival selbst bei der Durchführung mit und leisten dabei einen Arbeitsaufwand, der nicht zu unterschätzen ist.

Lokale und regionale Sponsoren tragen einen Teil zur Finanzierung bei und die Marktgemeinde Bad Goisern, die auch als Veranstalter fungiert, unterstützt das Festival durch tatkräftige Mitarbeit und einige andere wichtige Ressourcen.

Alle Bands erklären sich bereit, zu besonders günstigen Konditionen aufzutreten (und sind erfahrungsgemäß dennoch durchwegs zufrieden mit dem Festival).

Und nicht zuletzt trägt das Publikum selbst einen erheblichen Teil zum Bestehen des Festivals bei: die Finanzierung wird durch den Speisen- und Getränkeverkauf und freiwillige Spenden mitgetragen.

Man sieht also, dass es beim Kunstmue Festival nicht um Gewinn geht, sondern darum, gemeinsam ein möglichst schönes Festival zu gestalten, und das gelingt jedes Jahr aufs neue.

So soll es also auch im Juli 2009 wieder sein, am siebten Kunstmue Festival in Bad Goisern – es spricht auch nichts dagegen:

Einige der 44 Bands, die in den letzten Jahren bereits in der Kunstmühle aufgetreten sind, wollen auch heuer wieder mit dabei sein, und zahlreiche weitere haben sich bisher schon beworben.

Auch das Publikumsinteresse ist offensichtlich ungebrochen, in Anbetracht der vielen Bandwünsche, die schon ein halbes Jahr vor dem Festival geäußert werden.

Deshalb freue ich mich auch ganz besonders auf das heurige Festival, in dem auch ein kleines Jubiläum gefeiert werden kann: die sechste Band, die 2009 die Bühne betreten wird, wird die fünfzigste Band sein, die jemals im Rahmen eines Kunstmue Festivals aufgetreten ist.

Ich hoffe auch, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, dass ich mich schon auf die hundertste Kunstmue – Band freue.🙂

LINKS:

Über das Festival

Die offizielle Kunstmue Website

Das Kunstmue Festival auf Myspace

Die Kunstmühle bei last.fm

Kunstmue Festival 2009 Schlussbericht am Kunstmue Blog

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